Der Abend

Feuilleton

GOOD LUCK !
Lockendes Angebot: "Galerie Lietzow" eröffnet

Von der Theorie zur Praxis, von der Kunstkritik zum Kunsthandel, wechselte Godehard Lietzow. Er brachte den Mut auf, in dieser an Galerien reichen und überreichen Stadt noch ein neues Kunstetablissement zu eröffnen, zentral gelegen in Ku'damm-Nähe.

Nun besitzt Lietzow Kenntnisse, Geschick und Geschmack genug, um ein überaus verlockendes Angebot zu arrangieren. Heinrich Richter, den er als Kritiker schon förderte, ist natürlich mit von der Partie. Er malt kaputte Körper, zerstörte Schönheiten – die Verletzlichkeit des Menschen.
Von Peter Ackermann sicherte Lietzow sich eine der schönsten Arbeiten, die man von diesem Maler zuletzt sah. Es ist eine weitläufige Stadtlandschaft mit teils im Aufbau befindlichen, teil zerfallenden Architekturen, grandios gemalt.
Plakatwände regen Fritz Köthe zu übergenauen, verblüffend ähnlichen, dennoch immer wieder einfallsreichen Wiedergaben an. Klaus Vogelgesang überhöht Alltagsszenen ins Phantastische, und gerade in solcher Übersteigerung entlarven sich die Banalitäten.
Volker Emraths "Glücklicher Junge" hat einen Idiotenkopf, übersät mit ekligen Warzen. Ein armer Kerl, der sich wohlfühlt in seinem Elend.
Vom alten, immer aus neue rühmenswerten August Wilhelm Dressler bietet Lietzow drei Frauenbildnisse, charmante Verehrungen weiblicher Schönheit.

Alles, was zur Eröffnung in der Galerie zu sehen ist, hat hohe, meistens erstklasssige Qualität, so dass man vermuten darf: Lietzow wird auch als Galerist seinen Weg machen.
Good luck!

Jürgen Beckelmann