Godehard Lietzow begann als Maler, - und ein Maler ist er wieder geworden.
Er ging zur Zeitung und begann, über Kunst zu schreiben: auf diese feine, sprachlich genaue, unaufwendige Art, die noch seine Vorwörtchen zu den Einladungen seiner späteren Galerie auf sehr persönliche Art einleuchtend machten.
Lietzow schob die Schreibmaschine beiseite und debütierte als Galerist. Nach unzähligen Ausstellungen, die er gesehen hatte, wollte er nun eigene machen: Die Ausstellungen seiner Träume gewissermaßen. Das war noch nie der schwächste Motor, um es im Kunstgeschäft zu etwas zu bringen. Maler, die er gern ausgestellt hätte, hatte er längst schon gefunden.
1980-Geitel

Nun stieß er auch auf den Compagnon seiner Wünsche: Horst Hartmann. Gemeinsam drehten sie die Galerie in den Wind, und er blähte ihnen offenbar mächtig die Segel.

Zehn Jahre Galerie Lietzow: Das ist ein Auf und Ab der Expansion und Konzentration, der neuen Räume und frischen Gesichter, der Überraschungen und des Risikos. Stillhalten war verpönt. Ausruhen auf dem Erreichten nicht denkbar. Es ging geradezu stürmisch voran, der Galerie ein Image zu schaffen – aber eben nicht um dieses Images willen, sondern um den ausstellenden Künstlern hilfreich zu sein. Die Galerie trommelte nicht für sich. Sie tat es für die Kunst und die Künstler.

Sie hat Peter Ackermanns architekturale Visionen ausgestellt und die muskulösen von Luis Caballero. Sie hat Martin Dittberners winzige altmeisterliche Erzählertalente hörbar gemacht und Marwans expressiv hingeworfenen Schrei. Sie hat Heinrich Richters erotischem Arkadien Raum geschaffen, Kunito Nagaokas fernost-westlichem Diwan, dem schnittigen Berlinismus Fritz Köthes. Bildhauer, Glaskünstler traten hinzu. all das in nur einem Jahrzehnt! Man hätte gut und gern das Doppelte geschätzt, so kraftvoll hat sich die Galerie Lietzow in der Kunstszene Berlins etabliert und geholfen, sie mitzuprägen. Der Künstlerkreis, den sie von Anfang an mit kompromisslos unknauserigen Einsatz vertritt, ist in diesem Jahrzehnt weithin bekannt geworden. Horst Hartmann, der nun die Geschicke der Galerie lenkt, kann ruhig auf ihm in die Zukunft bauen.
Neue Kräfte stoßen hinzu. Die Debatte geht weiter. Das zweite Jahrzehnt lässt sich hoffnungsvoll an. Der Mut, jedenfalls, ist nicht á la Rilke müde geworden.
Der Anreiz, vor dem ersten Jahrzehnt bestehen zu können, läuft dem zweiten kräftig voraus.
Die Zeit für Retrospektiven ist gekommen, doch dem Tag danach gilt bereits neuer Appetit. Die Galerie Lietzow wird ihn weiterhin zu befriedigen wie zu reizen wissen.

Klaus Geitel