Handelsblatt

Wirtschafts- und Finanzzeitung

Gemäßigt progressiv
10 Jahre Galerie Lietzow

BERLIN. Im Juli hatte die Galerie Lietzow 10. Geburtstag – eine der führenden Privatgalerien Berlins – die sich kommerziell durchsetzen konnte, ohne die Anerkennung der Anspruchsvollen einzubüßen. Doch erst jetzt, im September, präsentiert sie ihre Jubiläumsausstellung.

Mit Arbeiten aus den Jahren 1970 bis 1980 vereinigt die Jubiläumsschau einen Kreis vorzüglicher Maler und Grafiker, von denen auch (was gar nicht selbstverständlich ist) vorzügliche Arbeiten ausgewählt wurden.
Die Ausstellung ist bis 4. Oktober zu sehen.
Horst Hartmann leitet heute die Galerie Godehard Lietzow. Der Gründer, der vom Journalismus zum Galeristen wurde, hat sich vor anderthalb Jahren selbst aufs Malen verlegt, zeigt aber sein Werk in anderen Galerien. Als Galerist wie als Maler hat Lietzow mit seinen Ausstellungen und Editionen einen festen Platz in der Berliner Kunstszene errungen.
In der Jubiläumsausstellung treffen sich verschiedene Generationen: Köthe und Heinrich Richter und Dittberner, dann Ackermann und Kunito Nagaoka und Marwan, schließlich Salomé, der einen außergewöhnlich raschen Aufmerksamkeitserfolg erntete. Und von den Bildhauern sind Ursula Sax, Schmettau, Schoenholtz und Schwarze zu nennen.

In der Edition Lietzow – überwiegend Druckgrafik – gibt es seit 1972 über 140 Angebote. Zeitgenössische Glaskunst steht seit 1976 auf dem Galerie-Programm. Kataloge und Plakate haben einen guten Ruf und sind von der Berliner Jury für vorbildliche Plakate mehrfach ausgezeichnet worden.

Ein hintergründiger Impressionist wie Fußmann, ein realistischer Satiriker wie Vogelgesang, ein internationaler Star wie Hockney, ein hervorragender Maler und Zeichner wie der immer noch unterschätzte Max G. Kaminski, dann auch mal ein Griff ins Gefällige, der gleich von der Vorstellung eines jüngeren Künstlers gekontert wird – man kann das im besten Sinne ein Programm nennen.

Rainer Höynck