Der Tagesspiegel

Feuilleton


Hat Freude gemacht
Jubiläumsausstellung bei Lietzow

Wie kommt man zu einer Kunstgalerie? Bei Lietzow, im Hause Knesebeckstrasse 32, wo dieser Tage das zwanzigjährige Bestehen zu feiern ist, lief eigentlich alles wie von selbst: Godehard Lietzow, der Namenspatron, gehörte nach einem Studium der Malerei an der hiesigen Hochschule der Künste wie durch kunstkritische Tätigkeit für Funk und Presse zu den Intimkennern der Berliner Kunstszene.
Karl Horst Hartmann war von Anfang an dabei, seit einigen Jahren – nachdem Lietzow sich wieder mehr der künstlerischen Arbeit zuwandte – steht vor allem er für die Galeriegeschäfte gerade.

Von programmatischen Vorsätzen haben die beiden nie viel gehalten: die Galerie bietet zeitgenössische Kunst jedweder Couleur mit Schwergewicht auf Berliner Meister. Einzelgänger und schwierige Künstler wurden mit Vorliebe gefördert – beim Rückblick gibt es Grund zu gewisser Genugtuung: Ein Gutteil der alteingesessenen Künstler kann inzwischen zu den Klassikern gezählt werden. Bei aller Flexibilität im Detail wurde das unverbrüchliche Bekenntnis zur Qualität doch immer hochgehalten.

Die Jubiläumsausstellung erweist sich dann auch als ein Ensemble edler Juwelen: nimmt man ihre Aussage für metaphorisch, so ergibt sich ein Hang zur Bewahrung einmal errungener Werte. Einzig Peter Ackermann erscheint verändert – er malt jetzt abstrakt.
Marwan blieb sich treu, Fritz Köthe hält konsequent zum popigen Montagestil, Martin Dittberner zu poetischen Märchenbildern. Heinrich Richter blieb bei seinen Mädchen – wenngleich auch sie inzwischen älter wurden. Hrdlicka und Hockney in erprobter Manier. Albert Merz und Henning Kürschner verfeinerten die Farbnuancen. Lothar Fischer geht kraftvoll ans Packpapier, Frederic Amat malt immer noch: "Ohne Titel", Salomé vertritt einst wie jetzt den Stil vom Moritzplatz, Stephan Elsner schweißt weiterhin Bronzebleche, Joachim Schmettau geht mit gewohnter Kunstfertigkeit an die Gestaltung seiner Figuren – Dokumente beachtlicher Beharrlichkeit unserer Künstler, unter denen man Frauen freilich vermisst.

Was nicht ist, kann noch werden: die Galeristen blicken optimistisch in die Zukunft. Zwanzig Jahre hat die Arbeit Freude gebracht – vielleicht bleibt es ja so.

Renate Franke